Brauch In der Zeit zwischen Maria Lichtmesse (2. Februar) und Aschermittwoch kommen die Tschäggättä. Sie üben einen Brauch aus, der weder reglementiert noch organisiert ist. Ein Brauch, der seit Generationen als Bestandteil der Talkultur gelebt wird. Ein Brauch, der sich aber im Laufe der Zeit auch verändert hat. | Früher Früher (bis ca. Mitte des 20. Jahrhunderts) war es üblich, dass sich nur ledige, volljährige Burschen verkleideten und man etwa in der Zeit von 12:00 bis 18:00 (Betzeitläuten) ausrückten. Dabei jagten die Tschäggättä alle, welche sich auf die Strasse trauten, und beschmierten sie mit Russ oder Schnee. Berichtet wird auch von Aschesäcken, welche den Leuten (ebenfalls zum Schärzen) an den Kopf geschlagen wurden sowie von einer Jauche- und Blutspritze. Das Beschmieren mit Russ (Brreem), die Aschensäcke sowie die Jauche- und Blutspritze verschwanden mit der Zeit (sicherlich auch wegen den Protesten der Bevölkerung). | Heute Aufgrund der Tatsache, dass viele junge Männer heute ausserhalb des Tales ganztags arbeiten, verkleiden sich die Männer (heute auch die Verheirateten und manchmal auch Frauen) vorwiegend Abends (nach Feierabend), während man am Tage oft kleinere Tschäggättä (Kinder) sieht. Im Umgang mit den Erwischten verhalten sich die die Tschäggättä heutzutage (meistens) gesitteter. Sonntag und Friedhof Früher war das Maskenlaufen ab 18:00 Uhr und an Sonntagen verboten Sperrzonen waren Kirche und Friedhof, was sich bis heute gehalten hat. | Der Feiste Frontag (Donnerstag) Seit den 1970er Jahren waren, zum Ärger der Gemeindebehörden, einzelne Tschäggättä auch Nachts anzutreffen. Argumente der Dorfväter waren nebst anderen die nächtliche Ruhestörung und die Unkontrolliertheit der Tschäggättä unter Alkoholeinfluss. 1981 erlies die Kippler Verwaltung die Anordnung: "Das Maskenlaufen und Tschäggättun ist infolge Ruhe und Ordnung nach 18:00 verboten." 1982 bat die Blattner Munizipalgemeinde die Tschäggättä ebenfalls, nach 18:00 nach Hause zu kehren. 1987 bot das ganze Thema viel Gesprächsstoff in allen Gemeinden. Höhepunkt war der Text | der Gemeinde Wiler im amtlichen Anschlagkasten: "Maskenlaufen Gestützt auf die Bestimmungen betreffend die Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung und den Beschluss der vier Talgemeinden, ist das Maskenlaufen ab 18:00 verboten. Ausnahme: Maskenprämierungsanlässe (Die Ausnahmeerlaubnis bezieht sich dabei auf die Lokalitäten, in welcher die Prämierung stattfindet). Fehlbare riskieren eine Anzeige mit Strafverfahren. 17.02.1987" Die Kommentare liessen nicht auf sich warten. Als inkonsequent wurde vor allem die Ausnahmebewilligung empfunden, mit welcher dem erwähnten Anlass wohl mehr zahlende Zuschauer zugeführt werden sollten. 1988 formierte sich eine kleine Gruppe Tschäggättä (zwischen Wiler und Kippel), und lief am Abend demonstrativ durch die Dörfer. Dieser aufständische Lauf blieb bis heute nicht nur erhalten, sondern hat sich seither zu einem der Höhepunkte der Lötschentaler Fasnacht entwickelt. 1991 waren bereits 90 Maskierte unterwegs, heute sind meistens über 100 Tschäggättä am Lauf von Blatten nach Ferden beteiligt. |
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